Was ist agile Produktplanung?

In einem komplexen Umfeld oder wenn sich die Rahmenbedingungen häufig ändern, hat agile Produktentwicklung klare Vorteile gegenüber klassischen Methoden. Agile Produktentwicklung führt zu besseren Produkten mit einem höheren Kundennutzen, reduziert das Risiko von Fehlschlägen und ermöglicht eine kurzfristige und flexible Anpassungen an Veränderungen. Zur agilen Produktentwicklung gehört aber nicht nur die Umsetzung des Produkts, sondern auch die Produktplanung.

Agile Produktplanung besteht aus 3 Kernelementen: der Product Vision, der Product Strategy und der Product Roadmap.

Product Vision

Eine Produktvision beschreibt den Sinn eines Produkts, warum es entwickelt wird und welchen Wert es für seine Kunden haben soll. Eine Produktvision ist immer auf die Zukunft ausgerichtet und beschreibt einen Zustand, der durch die Entwicklung des Produkts erreicht werden soll. Alle, die an der Entwicklung eines Produkts beteiligt sind, sollten die Produktvision kennen und verstehen. Die Produktvision sollte außerdem motivieren und inspirieren und bei Unsicherheiten oder Unklarheiten Orientierung bieten.

Product Strategy

Die Produktstrategie beschreibt den Weg, wie die Vision umgesetzt und realisiert werden soll. Sie hilft einem dabei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und den Fokus zu behalten. Sie berücksichtigt auch den Kunden und seine Bedürfnisse und erleichtert es dadurch, operative Entscheidungen zu treffen, Anforderungen zu definieren und diese zu priorisieren. Sie schließt damit die Lücke zwischen der Produktvision und der Produkt-Roadmap.

Product Roadmap

Die Produkt-Roadmap definiert die konkreten Maßnahmen, um mit der Produktstrategie die Produktvision zu erreichen. Die Produkt-Roadmap enthält alle Anforderungen an das Produkt und bringt diese außerdem in eine priorisierte Reihenfolge. Bei der agilen Produktentwicklung wird das Produkt in der Regel nicht nur einmal am Ende der Entwicklung, sondern schrittweise auf den Markt gebracht. Anhand der Produkt-Roadmap lassen sich geeignete Zeitpunkte dafür identifizieren.

Agile Product Planning

Product Vision und Product Strategy

Das Product Vision Canvas bietet eine hervorragende Möglichkeit, Produktvision und Produktstrategie strukturiert zu entwickeln und übersichtlich darzustellen. Das Product Vision Canvas kann außerdem mit Personas kombiniert werden.

Product Vision Canvas

Das Product Vision Canvas verbindet die Produktvision mit der Produktstrategie. Im Feld Vision steht die Produktvision, während die Felder Target Group, Needs, Product und Business Goals die Produktstrategie enthalten. Man sollte die Felder unbedingt in der Reihenfolge der Nummerierung auszufüllen. Man beginnt also mit der Vision und füllt dann von links nach rechts die Felder für die Produktstrategie aus. Die Reihenfolge ist wichtig, da die Felder zum Teil aufeinander aufbauen (so muss man um die Needs beschreiben zu können, die Target Group kennen).

Product Vision Canvas

Vision

Die Produktvision beschreibt, welches übergeordnete Ziel hinter der Entwicklung eines Produkts steckt. Sie sollte kurz, klar, prägnant, verständlich, motivierend und inspirierend sein. Sie sollte die Richtung weisen, ohne die Lösungsfindung einzuschränken. Idealerweise besteht die Vision aus einem einzigen Satz.

Target Group

Die Target Group beinhaltet sowohl Märkte und Marktsegmente, als auch Kunden und Nutzer des Produkts. Die Target Group sollte möglichst homogen und eindeutig sein, damit das Produkt auch einen klaren Nutzen für die Zielgruppe bieten kann. Die Target Group kann sehr gut mit Personas ergänzt werden. In diesem Fall sollte man für jeden Kunden oder Nutzer, den man ansprechen möchte, eine eigene Persona erstellen.

Needs

Im Feld Needs wird die Value Proposition oder das Nutzerversprechen eingetragen. Die Value Proposition enthält die Probleme, die das Produkt lösen soll (Pains), sowie die Vorteile, die sich durch die Verwendung des Produkts ergeben (Gains). Die Needs sollten klar herausstellen, warum Kunden das Produkt kaufen würden.

Product

Unter Product werden die wichtigsten Merkmale und Eigenschaften des Produkts aufgeführt. Durch diese Key Features sollte der USP (Unique Selling Proposition) des Produkts klar und deutlich werden. Der USP sollte außerdem die zuvor definierten Pains und Gains der Needs ergänzen. Aus den Key Features lassen sich später die ersten Anforderungen für das Product Backlog ableiten.

Business Goals

Während das Feld Product den USP für den Kunden beschreibt, werden im Feld Business Goals die Ziele für das eigene Unternehmen aufgeführt. Man kann sich die Business Goals als Kennzahlen vorstellen (z.B. den Umsatz um einen bestimmten Wert steigern, die Kosten um einen bestimmten Wert reduzieren oder eine bestimmte Anzahl neuer Kunden hinzugewinnen).

Personas

Eine Persona ist eine fiktive Person, die einen bestimmten Typ Kunden des Produkts repräsentiert. Eine Persona hat einen Namen, nach Möglichkeit ein Bild sowie verschiedene relevante Eigenschaften und Ziele, die sie erreichen möchte. Der Vorteil einer Persona ist, dass sie ein klares und greifbares Bild von dem Kunden, für den man das Produkt entwickelt, erzeugt. Dies hilft allen an der Entwicklung des Produkts beteiligten Personen dabei, sich besser in den tatsächlichen Kunden hineinzuversetzen.

Wie schon erwähnt, sollte man für jeden Kunden oder Nutzer, den man ansprechen möchte und der im Feld Target Group des Product Vision Canvas aufgeführt wird, eine eigene Persona erstellen. Für jede Persona werden dann wiederum die Felder Picture & Name, Details und Goals ausgefüllt.

Persona

Picture & Name

Um eine Persona greifbar zu machen, sollte sie einen Namen und möglichst auch ein Bild haben. Falls man kein geeignetes Bild finden kann, kann man das Aussehen der Persona auch mit Worten beschreiben.

Details

Im Feld Details sollten alle Eigenschaften, die eine Persona hat, aufgeführt werden. Dabei kann es sich um demographische, psychographische oder verhaltensbezogene Eigenschaften handeln. Zu den demographischen Eigenschaften gehören z.B. das Alter und das Geschlecht, psychographische Eigenschaften sind z.B. die Persönlichkeit oder der Lebensstil und unter verhaltensbezogene Eigenschaften fallen z.B. Gewohnheiten oder Aktivitäten.

Goals

Unter Goals versteht man sowohl die Probleme, die eine Persona hat und gelöst haben möchte, als auch die Vorteile, nach denen eine Persona sucht. Goals beschreiben die Motivation einer Persona und bilden die Grundlage für ihr Verhalten und ihre Aktivitäten.

Product Roadmap

Hat man die Produktvision und Produktstrategie mit Hilfe des Product Vision Canvas erfasst, kann man beginnen, daraus erste Anforderungen an das Produkt abzuleiten. Einen guten Startpunkt bietet das Feld Product, das anhand der Key Features den USP des Produkts beschreibt.

In welchem Format man die Anforderungen an das Produkt erfasst oder wie man diese Anforderungen strukturiert, hängt stark davon ab, wie man die Umsetzung des Produkts organisieren möchte. Die einfachste Möglichkeit für eine Product Roadmap ist eine sortierte Liste, wobei die Sortierung vor allem nach dem Wert, den die Anforderungen für den Kunden haben, erfolgt. Die Anforderungen, die einen hohen Wert für den Kunden haben, stehen oben, die Anforderungen, die nur einen geringen Wert für den Kunden haben, stehen unten. Die Product Roadmap ist niemals fertig, sondern entwickelt sich laufend weiter. Es kommen neue Anforderungen hinzu und Anforderungen werden angepasst oder aus der Product Roadmap entfernt.

Die Vorteile agiler Produktplanung

Agile Produktplanung führt in einem strukturierten Prozess von der Produktvision über die Produktstrategie zur Produkt-Roadmap. Gerade in einem agilen Umfeld, das von hoher Flexibilität geprägt ist, sind Produktvision und Produktstrategie von entscheidender Bedeutung. Durch die transparente und nachvollziehbare Verknüpfung von Produktvision und Produktstrategie mit der Produkt-Roadmap sind Richtung und Ziel jederzeit klar. Die Produktstrategie macht die Bedürfnisse des Kunden transparent und nachvollziehbar. Die Verbindung mit der Product Roadmap hilft einem dabei, den Fokus zu behalten und zu jeder Zeit an den Anforderungen mit dem höchsten Kundennutzen zu arbeiten.

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