Die Corona-Krise

Am 11. März 2020 erklärte die WHO den Ausbruch von Covid-19 für eine Pandemie. Das Corona-Virus und die Reaktion der verantwortlichen Politiker darauf hatte gravierende Folgen für Volkswirtschaften und Unternehmen auf der ganzen Welt. In einer gesamtwirtschaftlichen Krise, wie der aktuellen Corona-Krise, schrumpfen große Teile der Wirtschaft und die Nachfrage nach vielen Produkten geht zurück. Gleichzeitig verändern sich andere Bereiche radikal und bieten große Wachstumschancen. Es gibt immer Gewinner und Verlierer, aber in einer großen Krise, wie der Corona-Pandemie, ist dies besonders ausgeprägt. Hier zeigt sich, welche Unternehmen zukunftsfähig sind und welche nicht.

Herausforderungen für Unternehmen in einer Krise

Krisen stellen Unternehmen vor verschiedene Herausforderungen. Der Wettbewerb verschärft sich und es überleben nur die Produkte oder Unternehmen, die den größten Nutzen für ihre Kunden bieten. Jede Krise bedeutet schnelle und unvorhersehbare Veränderungen der Rahmenbedingungen. Produkte sowie ganze Geschäftsmodelle müssen zum Teil in kürzester Zeit radikal verändert und an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Langfristige Strategien und Planungen funktionieren nicht länger. Stattdessen müssen Unternehmen laufend ihre Geschäftsmodelle und Produkte hinterfragen und anpassen, um zu jeder Zeit den höchsten Wert für ihre Kunden bieten zu können. Parallel kommt in der Regel ein erheblicher Kostendruck hinzu. Es werden Mitarbeiter entlassen oder sogar ganze Abteilungen und Standorte geschlossen. Unternehmen können sich organisatorische Dysfunktionen nicht länger leisten. Stattdessen benötigen sie Strukturen, die schlank und flexibel sind. Schlank, damit sie ihre Produkte auch mit weniger zur Verfügung stehenden Ressourcen entwickeln können. Flexibel, damit sie mit ihren Geschäftsmodellen und Produkten jederzeit schnell auf Veränderungen reagieren können.

Konsequente Kundenorientierung, schnelle Anpassungsfähigkeit und eine hohe Wertschöpfung sind typische Merkmale agiler Organisationen. Eine agile Transformation, die zu mehr mehr Agilität führt, kann Unternehmen daher auch bei der Bewältigung einer Krise helfen.

Effektivität und Effizienz

Oft hört man, dass Unternehmen effektiver und effizienter werden müssen, um eine Krise überstehen zu können. Doch was bedeutet das eigentlich?

Effektivität bedeutet, die richtigen Dinge zu tun. Indem Unternehmen ihre Kundenorientierung erhöhen, schaffen sie mit allem, was sie tun, den höchstmöglichen Wert für ihre Kunden. Dadurch steigern sie indirekt auch ihre Wertschöpfung.

Effizienz bedeutet, die Dinge richtig zu tun. Indem Unternehmen ihre Anpassungsfähigkeit verbessern, können sie ihre Ziele auch mit weniger zur Verfügung stehenden Ressourcen erreichen, da sie diese Ressourcen zu jeder Zeit optimal einsetzen. Auch dadurch steigern sie indirekt ihre Wertschöpfung.

Agilität für die Bewältigung einer Krise

Konsequente Kundenorientierung

Klassische Organisationen sind in der Regel nach Fachbereichen organisiert. In die Entwicklung von Produkten sind viele verschiedene Fachbereiche involviert, da keiner dieser Bereiche ein Produkt alleine entwickeln kann. Die meisten Fachbereiche haben keinen Kontakt zu den tatsächlichen Kunden des Produkts und wissen daher auch nicht, wer die Kunden sind oder welche Anforderungen sie an das Produkt haben. Für einen Mitarbeiter in einem Fachbereich sind weder das Produkt, noch die Kunden des Produkts wirklich greifbar. Folgerichtig liegt der Fokus eines Mitarbeiters auch nicht darauf, mit einem Produkt, für das er sich nicht verantwortlich fühlt, einen Wert für einen Kunden, den er nicht kennt, zu schaffen, sondern eher darauf, seinen Vorgesetzten in seiner Abteilung zufrieden zu stellen.

Agile Unternehmen richten ihre Strukturen hingegen an ihren Produkten und nicht an internen Gegebenheiten aus. Agile Teams sind cross-funktional zusammengestellt und verfügen über alle notwendigen Kompetenzen, um ein Produkt oder eine Dienstleistung von Anfang bis Ende (End-to-End) zu entwickeln. Produkte werden früh und regelmäßig ausgeliefert, um so schnell wie möglich Feedback von Kunden zu erhalten. Das Feedback der Kunden fließt wiederum in die weitere Entwicklung der Produkte ein und die Produkte können so besser an die Bedürfnisse der Kunden angepasst werden. Ein Mitarbeiter in einem agilen Team kennt das (End-)Produkt und seine Kunden. Sein Fokus liegt zu jeder Zeit darauf, den höchstmöglichen Wert für die Kunden zu liefern.

Schnelle Anpassungsfähigkeit

In einem komplexen und unvorhersehbaren Umfeld ist eine schnelle Anpassungsfähigkeit für Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Anpassungsfähigkeit ist aber nicht nur das Reagieren auf Veränderungen, die bereits stattgefunden haben, sondern vor allem auch das Antizipieren von Veränderungen, die in Zukunft stattfinden werden. Das rechtzeitige Antizipieren von zukünftigen Veränderungen in Verbindung mit der Fähigkeit Innovationen zu entwickeln, verschafft Unternehmen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Agile Teams arbeiten in kurzen Zyklen. Sie entwickeln ein Produkt schrittweise anstatt dieses im Voraus bis ins Detail zu planen. Die einzelnen Entwicklungsschritte werden nach Möglichkeit direkt auf den Markt gebracht, um von dem Feedback der Kunden zu lernen. Agile Teams leben einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess und passen sich automatisch neuen Rahmenbedingungen an. Nicht nur die Produktentwicklung wird kontinuierlich verbessert, sondern ebenso die interne Zusammenarbeit. Auch diese wird in kurzen Iterationen laufend überprüft und angepasst. Agile Organisationen verändern sich kontinuierlich und besitzen eine Unternehmenskultur, die Anpassungsfähigkeit gleichzeitig fordert und fördert. Im Gegensatz zu klassischen Unternehmen benötigen sie kein Change Management oder langfristige Change Programme, um sich zu verändern.

Hohe Wertschöpfung

Die Kombination aus konsequenter Kundenorientierung und schneller Anpassungsfähigkeit führt in der Regel bereits zu einer Erhöhung der produktiven Arbeit und damit zu einer höheren Wertschöpfung. Unternehmen arbeiten an den richtigen Dingen (sie sind effektiver) und verschwenden keine Ressourcen, da sie bei Fehlentwicklungen ihre Richtung jederzeit anpassen können (sie sind effizienter). Agile Methoden helfen Unternehmen aber auch darüber hinaus, ihre Wertschöpfung zu erhöhen.

Klassische Unternehmen haben einen hohen Bedarf an Steuerung und Kontrolle. Dies liegt zum einen daran, dass die Mitarbeiter in der Regel nur an einem sehr kleinen Teil des Produkts arbeiten und den tatsächlichen Kunden nicht kennen. Sie können sich so nur schwer für das Gesamtprodukt und seinen Erfolg verantwortlich fühlen. Ein weiterer Grund ist, dass sie viele Entscheidungen selbst nicht treffen dürfen. In einem komplexen Umfeld sind allerdings die Entscheidungen, die von operativen Teams getroffen werden, in den meisten Fällen besser als die Entscheidungen, die von Managern und Führungskräften getroffen werden.

Agile Unternehmen bestehen aus vielen kleinen und selbstorganisierten Teams. Die Selbstorganisation der Teams reduziert nicht nur den Steuerungsaufwand der Führungskräfte, sondern führt außerdem zu schnelleren und besseren Entscheidungen. Eine agile Organisation benötigt daher weniger Führungskräfte als eine klassische Organisation. Sie verfügt außerdem über eine höhere Wertschöpfung, da der Anteil produktiver Arbeit höher ist.

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