Geschäftsmodelle in der Krise

Schon vor der Corona-Pandemie befanden sich viele klassische Unternehmen in einem disruptiven Marktumfeld und wurden von branchenfremden Wettbewerbern bedroht. Die Corona-Pandemie verschärft diese Situation weiter, indem sie die Schwachstellen vieler Geschäftsmodelle gnadenlos aufzeigt. Große Teile der Wirtschaft schrumpfen und die Nachfrage nach Produkten und Services geht zurück. Lieferketten funktionieren nicht länger, Produkte können nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr produziert werden und ganze Wertschöpfungsketten sind in Gefahr. Wie lange diese Krise dauern wird und ob es für ein nicht länger funktionierendes Geschäftsmodell später einmal wieder einen Markt geben wird, ist völlig offen. Es ist allerdings absehbar, dass sich viele Bereiche langfristig radikal verändern werden.

McKinsey hat zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie eine Umfrage unter mehr als 200 Unternehmen aus verschiedenen Branchen durchgeführt. Dabei gaben mehr als 90% der Führungskräfte an, dass sich die Art und Weise, wie sie Geschäfte machen, in den nächsten 5 Jahren grundlegend verändern wird. 85% der Führungskräfte befürchten, dass sich die Corona-Pandemie nachhaltig auf die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Kunden auswirken wird. Lediglich 21% der Führungskräfte glauben, dass sie über das Fachwissen, die Ressourcen und das Engagement verfügen, um erfolgreich neues Wachstum zu generieren.

Viele Unternehmen sind nicht vorbereitet

Die meisten Unternehmen werden nicht einfach so weiter arbeiten können wir zuletzt. Was ein Unternehmen in der Vergangenheit erfolgreich gemacht hat, hat während und nach der Corona-Pandemie möglicherweise keine Bedeutung mehr. Viele Unternehmen sind darauf allerdings nicht vorbereitet. Sie sind über die Zeit schwerfällig und träge geworden und können jetzt nicht schnell genug auf Veränderungen in einem Markt reagieren, der sich in einem wirtschaftlichen Abschwung befindet. Anstatt zu überlegen, wie sie innovativer werden können, konzentrieren sie sich vor allem auf die Aufrechterhaltung ihres Kerngeschäfts. Ihr Fokus liegt auf Kostensenkungen und Produktivitätssteigerungen, aber nicht auf der Förderung von innovationsgetriebenem Wachstum. Sie glauben, dass die Zeit für Innovationen gekommen ist, sobald die Krise vorbei ist, die Welt sich stabilisiert hat und ihr Kerngeschäft gesichert ist. Diese Unternehmen glauben, dass sie Krisen mit Optimierungen statt Innovationen überstehen können. Die Vergangenheit zeigt allerdings, dass dies oftmals ein Trugschluss ist.

Chancen für innovative Unternehmen

Innovationen entstehen oft in schwierigen und herausfordernden Zeiten, aber Unternehmen profitieren davon meist auch noch nach dem Ende einer Krise. In der Vergangenheit haben Unternehmen, die während einer Krise in Innovationen investiert haben, nach der Krise ein deutlich höheres Wachstum erzielt als Unternehmen, die sich vor allem auf die Sicherung ihres Kerngeschäfts konzentriert haben. Innovativen Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle schnell an die neuen Rahmenbedingungen anpassen können, bieten die anstehenden Veränderungen große Chancen. Es gibt immer Gewinner und Verlierer, aber in einem wirtschaftlichen Abschwung, ist dies besonders ausgeprägt. Es überleben nicht die Unternehmen, die über die größten Fabriken oder die meisten Mitarbeiter verfügen, sondern die Unternehmen, die flexibel sind und ihre Geschäftsmodelle am schnellsten an die neuen Gegebenheiten anpassen können. Diese Unternehmen können während einer Krise ihre Wettbewerber hinter sich lassen und gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Was ist eine Geschäftsmodellinnovation?

In unsicheren Zeiten, in denen sich die Rahmenbedingungen laufend und unvorhersehbar ändern, müssen Unternehmen permanent ihre vorhandenen Geschäftsmodelle hinterfragen, neue Geschäftsmodelle entwickeln und validieren sowie neue Produkte auf den Markt bringen.

Damit Unternehmen schnell neue Geschäftsmodelle entwickeln können, benötigen sie zunächst einmal einen regelmäßigen und wiederholbaren Prozess. Unter dem Begriff Geschäftsmodellinnovation oder Business Model Innovation (BMI) versteht man einen standardisierten Prozess zur Entwicklung eines Geschäftsmodells, der Ableitung einer ersten Produktidee, der Validierung anhand eines MVP (Minimum Viable Product) sowie der Entscheidung, ob diese Idee weiterverfolgt oder aufgegeben werden sollte. Eine Geschäftsmodellinnovation oder Business Model Innovation ist die Basis für die schnelle und kontinuierliche Entwicklung von Innovationen.

Was ist eine Ambidextrous Organization?

Es gibt einen großen Unterschied zwischen der bloßen Unterstützung von Innovationen und einer organisatorischen Ausrichtung auf die Entwicklung von Innovationen. Um die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens zu verbessern, reicht es daher nicht aus, den Prozess zur Entwicklung einer Geschäftsmodellinnovation lediglich regelmäßig durchzuführen. Vielmehr muss die gesamte Organisation auf die Förderung von innovationsgetriebenem Wachstum ausgerichtet werden, indem dies fest in den Strukturen und Abläufen eines Unternehmens verankert wird. Gleichzeitig spielt das Mindset der Mitarbeiter eine wesentliche Rolle. Innovationsgetriebenes Wachstum ist eine unternehmensweite Mission, an der alle Mitarbeiter eines Unternehmens zu jeder Zeit arbeiten sollten. Wenn dies passiert, beherrscht ein Unternehmen nicht nur die Weiterentwicklung bereits bestehender Produkte, sondern kann auch jederzeit seine vorhandenen Geschäftsmodelle anpassen und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Eine solche Organisation nennt man auch Ambidextrous Organization.

Was machen Top Innovator anders?

Sogenannte Top Innovator wie Google, Apple oder Amazon haben eine Innovationsmentalität in die Mission und Organisation ihrer Unternehmen integriert. Eine Analyse von Barry Jaruzelski, Robert Chwalik, and Brad Goehl hat verschiedene Merkmale herausgearbeitet, die Top Innovator von ihren weniger innovativen Wettbewerbern unterscheidet:

  1. Ihre Innovationsstrategie ist stark mit ihrer Geschäftsstrategie verknüpft.
  2. Sie schaffen eine unternehmensweite kulturelle Unterstützung für Innovationen.
  3. Ihre oberste Führungsebene ist stark in das Innovationsprogramm eingebunden.
  4. Ihre Innovationen basieren auf direktem Feedback und Erkenntnissen der Enduser.
  5. Sie entscheiden bereits sehr früh, ob sie eine Innovation weiterverfolgen wollen.

Ebenfalls für Sie interessant?

Business Model InnovationDesign Sprint Seminar
Wir helfen Ihnen dabei, einen standardisierten Prozess zu etablieren, mit dem Sie schnell neue Geschäftsmodelle entwickeln und mit einem MVP validieren können.Wie kommen wir in nur 4 Tagen zu einem neuen und getesteten Produkt? Wie können wir das Nutzerproblem in den Fokus rücken und schnelles Feedback vom Kunden bekommen?
Zum CoachingZum Seminar